Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
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Bevölkerungsverteilung und Wanderungsbewegungen

Zur Interpretation des Gender-Index und der einzelnen Indikatoren ist es von Interesse, vorab die räumliche Verteilung der Grundgesamtheiten zu kennen. Wie verteilen sich Frauen und Männer im Verhältnis in den Regionen? Gibt es Regionen mit einem höheren Ausländer-/Ausländerinnenanteil, was ebenfalls Unterschiede in den Geschlechterdifferenzen bezüglich Schul- und Berufsbildung, Erwerbsverhalten und Partizipation erklären könnte? Wie reagieren Frauen und Männer in ihren Wanderungsbewegungen auf die regionalen Verhältnisse?

Ein paar grundlegende Informationen zu diesen Fragen werden im Folgenden in Karten dargestellt und erläutert:

 

Indikatoren des Bereichs Bevölkerungsverteilung als Liste zum Download (PDF)

Indikatoren des Bereichs Wanderungsbewegungen als Liste zum Download (PDF)

Bevölkerung

Deutschland hat gegenwärtig einen Frauenüberschuss. Frauen überwiegen die Männer der Zahl nach um rund 2 Mio. und nehmen 51 % an der Gesamtbevölkerung ein, wobei ihr Anteil in nahezu allen Kreisregionen die 50%-Marke überschreitet. In einzelnen Regionen kann die Differenz zwischen weiblicher und männlicher Bevölkerung 5 Prozentpunkte und mehr betragen, das Maximum liegt bei 7,5 Prozentpunkten Unterschied.

Karte: Anteil der Frauen an der Bevölkerung

Allgemein scheinen Frauen die (Kern-)Städte als Lebensraum zu bevorzugen, hier liegt ihr Anteil meist über 51 %. In nur zwei Städten mit Technischer Hochschule ist der Anteil der Männer höher als der der Frauen.

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Bevölkerung nach Altersklassen

Keineswegs in allen Altersgruppen sind die Frauen gegenüber den Männern in der Überzahl. Im Prinzip speist sich der Frauenüberschuss fast gänzlich aus den älteren Jahrgängen. Betrachtet man die Altersgruppen

dann zeigt sich Folgendes:

Karte: Mädchen und Frauen nach Altersgruppen

Je 100 Mädchen werden ungefähr 106 Jungen geboren. Dieses natürliche Prinzip gleicht die höhere natürliche Säuglingssterblichkeit unter den Jungen aus. Aufgrund des medizinischen Fortschritts und der Verringerung der Säuglingssterblichkeit sind für die Kinder kaum Geschlechterunterschiede zu beobachten.

In der Gruppe der 15- bis unter 25-Jährigen werden erste größere regionale Unterschiede sichtbar, vor allem aber auch bereits größere Ost-West-Unterschiede: Zwar ist in dieser Altersgruppe die Zahl der jungen Frauen generell niedriger als die der jungen Männer, in Ostdeutschland jedoch besonders stark. Hier machen sich die ersten bildungsbedingten Abwanderungen bemerkbar, wobei die jungen Frauen stärker aus den ostdeutschen Regionen ab- und in die westdeutschen Zentren zuwandern als die jungen Männer.

Besonders ausgeprägt sind die Ost-West- Unterschiede in der Altersgruppe der 25- bis unter 30-jährigen. Während in Westdeutschland in weiten Teilen das Verhältnis von Frauen und Männern nahezu ausgeglichen ist, leben in Ostdeutschland weit weniger Frauen als Männer in dieser Altersgruppe. Auch die 25- bis unter 30-jährigen Frauen wandern stärker ab als die Männer gleichen Alters, wobei diese Wanderungen überwiegend beruflich motiviert sind.

Selbst bei den 30- bis unter 50-Jährigen gibt es in den neuen Ländern weniger Frauen als Männer. Dies ist eine Folgewirkung der stärkeren Abwanderung von jungen Frauen, die bereits vor 10 bis 15 Jahren eingesetzt hat. Regionale Geschlechterunterschiede finden sich auch hier wieder zwischen Ost und West, weit stärker jedoch noch zwischen Stadt und Land. Für berufstätige Frauen bieten sich in der Stadt vielfältigere Möglichkeiten, vor allem dann, wenn sie Familien- und Erwerbsarbeit kombinieren wollen. Und generell finden sich hoch qualifizierte Arbeitsplätze, insbesondere aber solche für Frauen, stärker in den Zentren bzw. Agglomerationen.

Erst ab der Altersstufe 50 Jahre und älter dreht sich das Geschlechterverhältnis allmählich um. Die Gruppe der 50- bis unter 65-jährigen Frauen bevorzugt die Agglomerationen als Lebensraum, und zwar vornehmlich die Zentren und ihr näheres Umland. Unter den 65-Jährigen und älter beträgt der Anteil der Frauen zwischen 56 % und über 63 %, durchschnittlich rund 60 %. Einen etwas geringeren Frauenüberschuss findet man im Umland der Städte, in den suburbanen Räumen, die eher von Familien mit kleineren Kindern bevorzugt werden, einen sehr hohen dagegen in den Städten selbst, in ländlichen Gebieten und in weiten Teilen Ostdeutschlands. Ursächlich für den deutlichen Frauenüberschuss in dieser Altersgruppe ist im Wesentlichen die deutlich höhere Lebenserwartung der Frauen

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Ausländische Bevölkerung

Der Anteil ausländischer Bevölkerung ist in Westdeutschland mit durchschnittlich knapp 10% etwa doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit durchschnittlich knapp 5%.

Die nach Deutschland zugezogenen Ausländer sind überwiegend Arbeits- und Bildungsmigranten und leben vorwiegend in den Agglomerationen und großen Zentren im Westen des Landes. Denn dort bieten sich ihnen vielfältigere Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten als in ländlichen Gebieten. Die geringe Präsenz von Ausländern in Ostdeutschland ist einerseits noch eine Nachwirkung der restriktiven Zuwanderungspolitik der ehemaligen DDR, andererseits eine Folge der ungünstigeren aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen dort.

Karte: Ausländische Bevölkerung

Der überproportionale Anteil von Frauen an der Gesamtbevölkerung beruht überwiegend auf dem deutschen Anteil unter der Bevölkerung, denn von allen Ausländern in Deutschland sind knapp 49 % Frauen. Obwohl in den letzten Jahren auch verstärkt Frauen nach Deutschland zugezogen sind, ist nach wie vor der größte Teil der Ausländer in Deutschland männlichen Geschlechts. In der Karte zeigt sich noch einmal mehr der beständige Ost-/Westunterschied. Überdies sind die Regionen mit einem näherungsweise ausgeglichenen Geschlechterproporz nicht die wirtschaftsstarken Agglomerationen sondern eher das weitere, teilweise ländliche Umland. Auch diese Verteilung spiegelt noch die Nachwirkungen der historischen Zuwanderungspolitiken in Ost und West wider mit der stark auf die männliche Arbeitskraft zielenden Zuwanderungspolitik der frühen Bundesrepublik.

Karte: Ausländische Frauen

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Binnenwanderungen

Vor allem Binnenwanderungen sind ein Indikator für regionale Disparitäten; sie verdeutlichen die „Abstimmung mit den Füßen“, sind Reaktion auf objektiv vorherrschende, aber auch individuell wahrgenommene Lebensverhältnisse vor Ort. Darüber hinaus können sie an der Bildung oder aber stärkeren Ausprägung regionaler Disparitäten beteiligt sein.

Karte: Binnenwanderungssalden

Positiven Salden in den alten Ländern stehen negative Salden im Osten gegenüber. Mit anderen Worten: Die positiven Wanderungssalden in den alten Ländern speisen sich neben Zuzügen aus dem Ausland sehr stark auch aus Zuzügen Ostdeutschland. Sowohl die Zuwanderungs- als auch die Abwanderungsregionen von Frauen und Männern in weisen ein ähnliches, stark übereinstimmendes regionales Verteilungsmuster auf. Regional können jedoch stärkere Differenzen in der Ausrichtung und Höhe des Saldos auftreten.

Im Weiteren lohnt ein Blick auf die beiden Altersgruppen starker Wanderungsneigung: die Altersgruppe der 18- bis unter 25jährigen wandert vornehmlich aus Bildungsmotiven und wird daher als Gruppe der Bildungswanderer bezeichnet. Auch in der Altersgruppe der 25- bis unter 30jährigen spielt Bildung noch eine hohe Rolle; berufliche Aspekte gewinnen jedoch an Bedeutung und sind das vorherrschende Wanderungsmotiv weshalb diese Gruppe als Berufswanderer bezeichnet wird.

Karte: Binnensalden der Bildungswanderer

Die Wanderungen konzentrieren sich eindeutig von den Umland- und Randlagen in die großen Zentren und Städte und nur in wenigen Räumen auch in das angrenzende Umland und sind dabei determiniert durch die Standorte der Bildungseinrichtungen, vornehmlich die Universitäts- und Fachhochschulstandorte. Da nach abgeschlossener Ausbildung nicht alle jungen Leute an ihren früheren Wohnort zurückkehren, oftmals sogar in der Nähe des Hochschulstandorts einen Arbeitsplatz finden, wirken diese Wanderungsprozesse stark selektiv.

Die Fort- und Zuzugsregionen sind bei Frauen und Männern räumlich annähernd gleich verteilt. Insgesamt ist der Wanderungssaldo von Frauen in den Zuzugsregionen deutlich positiver als bei den Männern. Der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt bei den viel stärkeren Fortzügen von jungen Frauen aus nahezu allen ostdeutschen Regionen; häufig ist der Wanderungssaldo der Frauen hier doppelt so hoch wie der der Männer. In keiner anderen Altersgruppe liegen diese Salden so weit auseinander.

Karte: Binnensalden der Berufswanderer

Die Zuzugsregionen sind in dieser Altersgruppe gegenüber den Bildungswanderern nicht mehr eindeutig nur die großen Städte, sondern häufiger auch die Umlandkreise. Die Kernstädte verzeichnen dabei zwar Wanderungsgewinne bei beiden Geschlechtern, doch in dieser Altersgruppe mit einem deutlichen Überhang bei den Frauen. Alle übrigen Kreistypen sind durch Wanderungsverluste gekennzeichnet, die wiederum bei den Frauen deutlicher ausfallen. Am größten ist dieser Geschlechterunterschied im ländlichen Raum. In dieser Altersgruppe findet sich im Jahre 2007 nicht mehr dieser starke Ost-Westunterschied, der drei Jahre zuvor auch noch bei den Berufswanderern zu beobachten war.

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