Mechthild Kopel, Annemarie Weber
Mit dem Gender-Index gleichstellungspolitisch nach vorn!
Beispielhafte Darstellungen von gleichstellungsorientierten Maßnahmen auf kommunalpolitischer Ebene
In der Publikation „Mit dem Gender-Index gleichstellungspolitisch nach vorn!“ werden Beispiele einer gelungenen Gleichstellungspolitik auf kommunalpolitischer Ebene analysiert und dargestellt. Die Auswahl der Kreise fand auf Basis der Gender-Index-Ergebnisse statt. Sie werden in der Publikation in Kontext gesetzt mit dem jeweiligen lokal existierenden arbeitsmarkt- und strukturpolitischen Gegebenheiten. Vor Ort handelnde Akteurinnen und Akteure (Gleichstellungsbeauftragte, Wirtschaftförderstellen, Vertreterinnen und Vertreter der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter) kommen ebenfalls zu Wort. So sind facettenreiche Bilder der gleichstellungspolitischen Situation wie auch der umgesetzten Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung in 10 Kreisen/ kreisfreien Städten Deutschlands entstanden, die neue Anregungen für gleichstellungspolitische Arbeit in anderen Kreisen/ kreisfreien Städten liefern und zeigen, dass der Gender-Index als zielführendes Instrument für die kommunale gleichstellungspolitische Arbeit eingesetzt werden kann.
Mechthild Kopel, Annemarie Weber
Gender-Index für die Praxis
Zwei Pilotstudien für die regionale geschlechtergerechte Arbeits- und Strukturpolitik
Um die Möglichkeiten der Anwendung des Gender-Index in der lokalen/regionalen Arbeits-, Struktur- und Wirtschaftspolitik darzustellen und den praktischen Niederschlag im Handeln der lokalen/regionalen Akteure und Akteurinnen noch stärker anzuregen, bedarf es der beispielhaften Anregung über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Mechthild Kopel und Annemarie Weber haben deshalb gemeinsam Pilotstudien für die Städte Chemnitz und Bielefeld erstellt. Aufbauend auf den Informationen des Gender-Index fand für die beiden Städte eine vertiefte Aus- und Bewertung anhand weiterer Wirtschafts- und Sozialstrukturdaten sowie Sekundärliteratur statt. Mittels der Expertisen sollen wichtige Impulse für die regionale geschlechterspezifisch ausgerichtete Arbeit gesetzt werden. - Die Expertisen wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.
Jens Vöckler
Gender-Index: Bewertung der Chancengleichheit von Frauen und Männern
(erschienen im Statistischen Quartalsbericht 4/2008 des Amtes für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig)
Die Veröffentlichung der Informationen zum Gender-Index und seinen Teilindikatoren führte zu ersten tieferen Analysen in den Regionen. So stellt das Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig in seinem Statistischen Quartalsbericht 4/2008 fest, dass „es im innerdeutschen Vergleich … in Leipzig eine relativ hohe Chancengleichheit der Geschlechter“ gibt. Leipzig liegt im Ranking auf Platz 21. Jens Vöckler zeigt in seiner Analyse des Gender-Index, in welchen Bereichen in Leipzig kaum Geschlechterunterschiede bestehen, aber auch, wo die Unterschiede von Frauen und Männern stark ausgeprägt sind. Er vergleicht Leipzig mit den Durchschnittswerten von Sachsen, mit dem Bundeswert und mit anderen ostdeutschen Kreisen. Jens Vöckler stellt fest, dass ein guter Indexwert im Standortmarketing von Vorteil ist, ein schlechter Indexwert jedoch auf entsprechenden Handlungsbedarf verweist.
In zwei Vorstudien zum Gender-Index wurde die Bedeutung von regionalen Informationen für eine handlungsorientierte Politik in den Regionen herausgestellt:
Mechthild Kopel, Gerhard Engelbrech
Gender-Index – Eine Landkarte für Deutschland
Machbarkeitsstudie

Wirksame Strategien und Maßnahmen für die Gleichstellung der Geschlechter setzen gute Kenntnisse über die Situation der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern voraus. Eine nach Geschlecht differenzierte Datenbasis ist für alle Politikbereiche auf allen Ebenen eine zentrale Voraussetzung für gezieltes und praxisbezogenes Handeln. Doch diese Informationsbasis ist oft nur lückenhaft verfügbar und nicht öffentlich zugänglich. Zwar gewinnt die Kategorie Geschlecht in zahlreichen Analysen und Publikationen an Bedeutung und ermöglicht fundierte Aussagen zu Teilaspekten der Gleichstellungspolitik. Will man jedoch umfassend den Fragen nachgehen, was in der Gleichstellungspolitik erreicht ist und in welchen Feldern und in welchen Regionen Handlungsbedarf besteht, muss man sich auf einen mühsamen Such- und Auswertungsprozess begeben. Dies trifft besonders für die unteren politischen Ebenen der Landkreise und der Kommunen zu.
Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung haben Mechthild Kopel, Wert.Arbeit GmbH, und Gerhard Engelbrech, IAB, die Machbarkeit des Gender-Index für Deutschland erprobt. Hierzu haben sie die Grundidee eines Gleichstellungsindex – eine Praxis in Schweden - übernommen. Bei der Auswahl der Indikatoren wurde bewusst der Schwerpunkt auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen gelegt. Mit der Lissabon-Strategie verfolgt die EU das Ziel, die Beschäftigungsquote von Frauen und Männern zu erhöhen, d.h. mehr und gute Arbeit zu schaffen. Diesem Ziel sind auch die Wirtschaftsförderung des Bundes, der Länder, der Regionen und der Kommunen verpflichtet. Damit das Querschnittsziel Gleichstellung der Geschlechter verwirklicht werden kann, sind nach Geschlecht differenzierte Daten erforderlich, insbesondere müssen sie den Wirtschaftsförderungsämtern der Landkreise und Kommunen zugänglich sein.
- Der Gender-Index ist ein gutes Instrument für die Gleichstellung der Geschlechter in der Beschäftigungspolitik und sollte realisiert werden.
- Ein Gender-Index ermöglicht eine Einschätzung der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in den Regionen anhand ausgewiesener Indikatoren. Er stellt geschlechtspezifische Daten auf regionaler Ebene zur Verfügung.
- Ein Gender-Index erweitert das Wissen über die Situation und die Defizite in der regionsbezogenen Gleichstellungspolitik. Die Potenziale werden sichtbar und so die Kompetenz der handelnden AkteurInnen angereichert.
- Ein Gender-Index macht regionsspezifisch die Unterschiede in der Umsetzung von Chancengleichheit transparent und ermöglicht einen inspirierenden Wettstreit der Regionen in der Gleichstellungspolitik.
- Die Perspektiv- und Kompetenzerweiterung mit dem Gender-Index ermöglicht ein an den Realitäten der Region orientiertes Handeln zum Beispiel in Wirtschaftsförderung, der Arbeits- und Beschäftigungspolitik und der regionalen Strukturpolitik.
- Der Gender-Index ist somit als Landkarte oder Lagebeschreibung zur Gleichstellung von Frauen und Männern zu verstehen und ermöglicht einen Vergleich der Regionen.
Die Indikatoren für einen Gender-Index:
Für die Erstellung eines Gender-Index über die Umsetzung von Chancengleichheit in den Regionen werden acht gesellschaftliche Themenschwerpunkte mit fünfzehn Indikatoren empfohlen. Die Themenbereiche sind:
- Arbeit und Beschäftigung
- Qualifikation der Beschäftigten
- Arbeitslosigkeit
- Qualifikation der Arbeitslosen
- Arbeitsmarktpolitik
- Einkommen
- Betreuungsinfrastruktur
- Partizipation und Mitwirkung
Wie kann der Gender-Index ermittelt werden?
Für die Erstellung eines Gender-Index werden die für die jeweiligen Indikatoren relevanten Daten aus den verfügbaren Statistiken ausgewertet und auf Kreisebene ausgewiesen. Als Grundlage für die Bewertung der einzelnen Kreise über deren Umsetzung von Chancengleichheit dienen die jeweiligen Abweichungen vom Bundesdurchschnitt für alle Indikatoren.
Die prozentualen Abweichungen werden mit einem Punktesystem bewertet. Kreise, deren Indikatoren eine überdurchschnittliche gleichstellungspolitische Entwicklung widerspiegeln, erhalten Pluspunkte. Unter dem Durchschnitt liegende Werte werden mit Minuspunkten belegt. Die vergebenen Punkte machen deutlich, auf welchen Rang sich die einzelnen Kreise im Hinblick auf die jeweiligen Indikatoren befinden.
Aus den Punkten aller Indikatoren wird ein Indexwert für alle Kreise ermittelt. Somit ist ein Ranking aller Kreise über den jeweiligen Stand der Gleichstellung möglich und zwar auf einen Blick und zu den jeweiligen Indikatoren.
Nähere Informationen des Punktesystems für die Ermittlung des Gender-Index sind in der Machbarkeitsstudie nachlesbar.
Die Nutzungsmöglichkeiten des Gender-Index:
- Der Gender-Index trägt zur Transparenz der gleichstellungspolitischen Aktivitäten der kommunalen Politik bei.
- Der Gender-Index gibt die erforderliche Datenbasis für Planung von gleichstellungspolitischen Maßnahmen.
- Durch den möglichen regionalen Vergleich über den Stand der Gleichstellung kann der Gender-Index als Instrument für den effektiven Mitteleinsatz der EU-Strukturfonds dienen.
- Da Standortanalysen für Investoren eine grundlegende Voraussetzung sind, kann der Gender-Index Standortvorteile aufdecken (z.B. Auskunft über die verfügbaren Potenziale der Arbeitskräfte einer Region oder Betreuungsinfrastrukturen) und somit einer positiven Standortentwicklung auf kommunaler Ebene dienen.
Katrin Meyer, Antonia Milbert (Projektleitung)
unter Mitarbeit von:
Iris Amman, Eckhard Bergmann, Nina Demuth, Maria Schmitt, Jessica Switala
Frauen – Männer – Räume
Geschlechterunterschiede in den regionalen Lebensverhältnissen
Anlass für den Bericht war Gender Mainstreaming, bekannt geworden durch die Politik der Europäischen Union. Alle Mitgliedsstaaten haben sich 1997 im Amsterdamer Vertrag verpflichtet, die Chancengleichheit der Geschlechter als Ziel in allen Politikbereichen zu verankern – damit müssen auch die unterschiedlichen Lebenssituationen sowie Bedürfnisse von Frauen und Männern in der Raum- und Stadtentwicklungspolitik von vornherein und regelmäßig berücksichtigt werden. Denn Raum- und Stadtentwicklung sind nicht geschlechtsneutral.
Gestützt auf sein räumliches Informationssystem, die Laufende Raumbeobachtung, beschreibt das BBR erstmals bundesweit flächendeckend, systematisch und umfassend vergleichend die regionalen Lebensverhältnisse von Frauen und Männern. Besonderes Augenmerk wird dabei den Wechselwirkungen zwischen Raum- und Geschlechterunterschieden gewidmet. Mittels varianzanalytischer Verfahren wird geprüft, ob der regionale Kontext bestimmend ist für unterschiedliche regionale Lebensverhältnisse von Frauen und Männern. Denn nur wenn die Frage mit „ja“ beantwortet werden kann, gibt es auch Handlungsbedarf für eine stärker geschlechterorientierte Raum- und Stadtentwicklungspolitik bzw. Planungspraxis.
Der Bericht „Frauen – Männer – Räume“ stellt anhand einer Vielzahl von Indikatoren fest, dass sich die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern in und zwischen den Regionen signifikant unterscheiden. Untersucht wurden die Bereiche:
- Bevölkerung
- Bildung und Ausbildung
- Erwerbsleben
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Räumliche Mobilität
- Wohnen
Die Geschlechterunterschiede in den Regionen wurden anhand von Tabellen und Grafiken, vor allem aber durch eine Vielzahl von kartografischen Darstellungen visualisiert. Für die meisten Indikatoren zeigen sich statistische bedeutsame Wechselwirkungen zwischen Region und Geschlecht. Zum Beispiel reagieren vor allem junge Frauen im Osten im Vergleich zu jüngeren Männern auf fehlende berufliche Perspektiven früher und in stärkerem Maße durch Abwanderung als im Westen. Männer fahren Auto, Frauen nutzen den ÖPNV oder gehen zu Fuß; Männer wohnen im Eigentum, Frauen zur Miete; nirgendwo sonst praktizieren Paare so häufig auch noch die traditionelle Rollenverteilung wie im suburbanen Raum, d. h. die Männer sorgen für das Einkommen, die Frauen kümmern sich um die Kinder, falls es sie gibt.
Primäres Anliegen des Berichtes war und ist es, die räumlich orientierte Politik für das Gender Mainstreaming, für einen Wandel hin zu gerechteren Zugangs- und Teilhabechancen für beide Geschlechter zu sensibilisieren nach dem Prinzip „Koordination durch Information“. Denn Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration von Gender Mainstreaming in die räumlich orientierte Politik und Planungspraxis ist u. a. ein geschlechtsdifferenziertes regionales Monitoring der Raum- und Stadtentwicklung.
Der Bericht macht auch darauf aufmerksam, dass noch ein hoher Informations- und Forschungsbedarf besteht. Denn über die im Bericht dargestellten Beobachtungsbereiche hinaus können weitere regionale Geschlechterunterschiede erwartet werden, beispielsweise in Bereichen wie Gesundheit, Kriminalität bzw. Sicherheit, Armut, die nicht untersucht werden konnten, weil die amtliche Statistik hierfür (noch) keine Daten vorhält. Auch das ist und war Anliegen des Berichtes: auf Lücken in den Datenbeständen hinzuweisen und auf deren Schließung in Bezug auf Gender Mainstreaming hinzuweisen.