Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
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Präsentation des Gender-Index am 3.11.2008 in Berlin

Gender-Index – umfassendes Informationsportal für die Gleichstellung in den Regionen Deutschlands frei geschaltet

Wo ist die Gleichstellung der Geschlechter relativ weit fortgeschritten, welche Regionen haben Nachholbedarf? In Schweden gibt ein Blick auf den Gender Equality Index des statistischen Zentralamtes schon lange die Antwort. Jetzt hat auch Deutschland eine Landkarte zur Chancengleichheit. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (seit 1.1.2009 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung - BBSR - im BBR) und die Hans-Böckler-Stiftung haben gemeinsam einen Gender-Index entwickelt. Er beschreibt die regionalen Lebensverhältnisse von Frauen und Männern anhand ausgewiesener Indikatoren.

Michael SommerDie Website www.gender-index.de wurde am 3. November 2008 im Rahmen einer öffentlichen Präsentation in der schwedischen Botschaft in Berlin vorgestellt und frei geschaltet. Die schwedische Botschafterin Ruth Jacobi berichtete, dass man in Schweden anfangs der Einführung von geschlechterspezifischen Statistiken skeptisch gegenüber gestanden habe. Heute jedoch, rund 20 Jahre später, habe sich der Gender Equality Index (auch: Jäm-Index) zusammen mit anderen Werkzeugen als sehr nützlich für die Umsetzung der Gender-Mainstreaming-Ziele erwiesen. Er stoße inzwischen auf große Akzeptanz.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer sagte, das Portal könne einen großen Beitrag dazu leisten, „eingeschliffene Gender-Strukturen“ zu verlassen. Der Index helfe, von der „gefühlten Ungerechtigkeit“ wegzukommen, da man nunmehr geschlechterspezifische Aussagen mit konkreten Fakten belegen könne.

Der Gender-Index sei ein wesentliches Thema für die Raumordnung, betonte Karin Roth, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung als Schirmherrin der Veranstaltung. „Wenn wir die Gleichstellung von Frauen und Männern voranbringen wollen, brauchen wir genaue Informationen über die Lebensverhältnisse in den Regionen, darüber also, wie sich die Bedingungen für Männer und Frauen in den verschiedenen Räumen in unterschiedlichen Lebensbereichen darstellen. Diesem Informationsbedürfnis trägt der Gender-Index Rechnung“, sagte Frau Roth. Durch die Bereitstellung der Informationen könne die Raumordnung ihrem Koordinierungsauftrag nachkommen, den sie gegenüber den raumwirksamen Fachplanungen und Fachpolitiken habe. Wichtig sei nun, den Index in den Regionen bekannt zu machen - etwa durch Konferenzen in den Ländern. Zudem regte Frau Roth an, die Evaluierung der Städtebau-Förderprogramme noch stärker mit den Anliegen des Gender Mainstreaming zu verbinden.

Hans-Peter Gatzweiler, Antonia Milbert und Katrin MeyerHans-Peter Gatzweiler, Leiter der Abteilung Raumordnung und Städtebau, verwies auf die Grundlagen und Vorarbeiten des BBSR für den Gender-Index: Die Laufende Raumbeobachtung halte eine breite räumliche und – in weiten Teilen – auch geschlechtsdifferenzierte Datenbasis vor. Der im Jahr 2007 veröffentlichte Bericht „Frauen – Männer – Räume“ habe darüber hinaus wichtige Erkenntnisse für die Auswahl der indexbildenden Indikatoren geliefert.

Die beiden Index-Architektinnen im BBSR, Antonia Milbert und Katrin Meyer, schalteten anschließend die Website frei und präsentierten „live“ den Gender-Index, seine Komponenten und zahlreiche Hintergrundinformationen. Kernstück des Internetauftritts ist eine interaktive Karte, über die sich durch wenige Klicks für jeden Kreis ermitteln lässt, ob die Berufs- und Bildungssituation von Frauen und Männern ähnlich ist oder nicht. Visualisiert wird dies in Form eines Profils für jeden Kreis, das in Form einer Grafik und einer Tabelle die 19 in den Index eingegangenen Indikatoren darstellt. Weitere Informationen runden das Thema ab: Karten zu den indexbildenden Indikatoren, mehrere Rankinglisten, Hintergrundinformationen zur Bevölkerungsstruktur, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zur Wirtschaftsstruktur.

Angerissen wurden erste Trends:

In der Abschlussdiskussion, moderiert von Frank Gerlach, Referatsleiter in der Abteilung Forschungsförderung, wurde die Indikatorenauswahl nochmals begründet, Datenquellen hinterfragt, die Vorgeschichte des Projektes näher beleuchtet und mögliche Ursachen räumlicher Unterschiede erörtert.

am Pult: Katrin Meyer, Frank Gerlach und Antonia Milbert; im Publikum: Karin Roth, Nikolaus Simon, Hans-Peter GatzweilerNikolaus Simon, Sprecher der Geschäftsführung der Hans-Böckler-Stiftung versprach, dass die Stiftung zusammen mit dem BBR das Projekt weiterentwickeln wolle und dafür auch finanzielle Unterstützung leisten werde. „Denn wer den Alltag verbessern will, braucht lokale Informationen, leicht zugänglich und systematisch aufbereitet. Genau das liefert der Index.“

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